Systemische Therapie - vermessen

von Stephan Baerwolff

Auf der wissenschaftlichen Jahrestagung des ISS am 27. Januar 2007 bot Dr. Kirsten von Sydow den ZuhörerInnen einen Überblick über den derzeitigen Stand der empirischen Thera-pieforschung zur systemischen Therapie. Die Idee, die aktuelle Datenlage zu sichten, war innerhalb einer Gruppe von SystemikerInnen entstanden, die sich auf der Tagung „Systemische Forschung“ 2004 in Heidelberg zusammengefunden hatte und 2005 von den beiden Systemischen Dachverbänden SG und DGSF beauftragt wurde, eine Übersichtsarbeit zu erstellen. Diese wurde inzwischen auch als Buch veröffentlicht (von Sydow et al. 2007, darauf beziehen sich auch die folgenden Seitenangaben) und liegt dem neuerlichen Antrag der beiden Dachverbände auf Anerkennung der Systemischen Therapie/ Familientherapie als „wissenschaftliches Verfahren“ zugrunde.

Die Hauptaussage dieser enormen Anstrengung fasste Kirsten von Sydow dahingehend zusammen, dass die Datenlage heute für die systemische Therapie viel günstiger aussehe als bei dem ersten (von Günter Schiepek verfassten und 1998 vorgelegten) Antrag an den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie (im Folgenden abgekürzt WBP), der 1999 negativ beschieden wurde. Lagen damals 26 Studien vor, die die Effektivität der systemischen Therapie untersuchten, sind es nun (bis Ende 2004) 83 Studien. Dabei handelt es sich den Kriterien des WBP entsprechend um so genannte randomisierte Studien, in denen die KlientInnen zufällig einer Therapie- oder einer Kontrollgruppe zugewiesen werden, in der sie keine oder erst später („Wartegruppe“) eine Therapie erhalten. Der Beirat hat für die Erwachsenenpsychotherapie 12 und für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie 8 Anwendungsbereiche definiert (z.B. „Affektive Störungen“ „Angststörungen“, „Essstörungen“ usw.), wobei ein Verfahren in 5 (Erwachsenenpsychotherapie) bzw. 4 (Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie) Bereichen ausreichende Effektivitätsnachweise erbringen muss um als „wissenschaftlich“ anerkannt zu werden. „Ausreichend“ heißt, dass in jedem dieser Bereiche mindestens 3 Studien die Effektivität (im Vergleich zu den Kontrollgruppen) nachweisen

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(Erstveröffentlichung 2007, wieder veröffentlicht 2012)

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