Schichtwechsel

von Stephan Baerwolff

Die Aufgabenstellung, Therapieangebote für sozial benachteiligte Menschen bereitzustellen, entspricht heutzutage kaum mehr dem Zeitgeist. Wenn hier ein leichtes Bedauern durchklingen sollte, so ist dies beabsichtigt: Denn so sehr ich die Entwicklung hin zum systemischen Ansatz begrüße, so schade finde ich es, dass Fragen der sozialen Gerechtigkeit heute (im Vergleich etwa zu den 70er Jahren) in unserem Feld weniger diskutiert werden. So muss man z.B. die Beiträge der "Zeitschrift für systemische Therapie" (abgesehen von einem Artikel im Frühjahr 95) bis zum Oktober 1991 zurückverfolgen, um etwas zum Thema "Systemisches Arbeiten mit sozial benachteiligten KundInnen" zu finden. Dies spiegelt für mich nur die ambivalente Entwicklung der gesamten Gesellschaft wider, finden sich doch unter der Überschrift "Postmoderne" sowohl die Befreiung von absoluten Wahrheits- und Herrschaftsansprüchen und der respektvolle Umgang mit anderen Meinungen als auch eine Haltung zynischer Gleichgültigkeit gesellschaftlichen Problemen gegenüber.

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(Erstveröffentlichung 1995, wieder veröffentlicht 2011)

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