Lebensgeschichten in der Systemischen Therapie

von Joachim Hinsch

Sehr geehrte Damen und Herren, lieber Herr Hausa, liebe Jubilare!

Warum kommen Paare eigentlich in eine Therapie, und setzen sich damit oft einem Spagat aus: Da Vertrauen zur Therapeutin – da die Person deretwegen Mann/Frau in Therapie gegangen ist. Zu der hat man ja eben vielleicht Vertrau-en, spürt keine Sicherheit und Geborgenheit. Wenn man in eine Familienthera-pie geht, ist sie entweder vom Arzt verschrieben oder Institutionen schlagen diese Therapie so eindringlich vor, dass man kaum nein sagen kann, oder man schleift sein Kind aus irgendwelchen Sorgen dorthin. Es geht dabei auch meist um pathologisch auffälliges Verhalten oder Ähnliches. Aber die Schwelle zur Paartherapie scheint mir doch eine höhere: was gehen eine Therapeutin ei-gentlich unsere Eheprobleme an? Damit kann man doch wohl noch allein fertig werden? Andererseits ist es aber doch nicht so schlimm, weil man in eine Paar-therapie nicht etwa geht, weil man selbst ein Problem hat, sondern weil der andere eines hat. Also, das Problem, das mich in diese Therapie bringt, ist das unerträgliche oder ungerechte Verhalten des anderen - oder wenn es doch um mich geht - mein schlechtes Gewissen, meine Verletzungen wegen ihrer Ankla-gen und mein Versuch, die Ehe zu retten und dabei ihre Vorwürfe von einem Fachmann stoppen zu lassen. Die Hölle – das sind die anderen.

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(Erstveröffentlichung 2008, wieder veröffentlicht 2011)

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