Interview mit Rosmarie Welter-Enderlin

geführt am 10. 6. 1994

ISS'ES: In Ihrem Buch »Paare - Leidenschaft und lange Weile« haben Sie Paare in verschiedenen Konstellationen beschrieben und wie in Zeiten des Umbruchs neue Lebensformen entstehen. Haben Sie mit der Lebensform »Alleinerziehende« zu tun?

WE: Habe ich. Ich mache da zweierlei: Einerseits unterstütze ich Alleinerziehende im Umgang mit den ganz alltäglichen, jetzt anstehenden Problemen, aber zum zweiten wird mir immer wichtiger in meiner persönlichen Auffassung von Professionalität, dass ich durch meine eigene Vernetzung (im politischen und sozialen Bereich) diese Netzwerke für Alleinerziehende zugänglich mache, also für die einzelne Frau oder den Mann mit ihren Kindern. D.h., dass ich auch über das Thema Wohnen mit ihnen rede und frage: Ist dieses wirklich die geeignetste Wohnform. Wenn sie z.B. wohnen bleiben irgendwo in einem Einfamilienhäuschen am Stadtrand, wo es nur ältere Familien hat, dann rede ich mit Alleinerziehenden auch über diese ganz alltagspraktischen Themen, weil ich davon ausgehe, dass Wohnen und der ganze äußere Rahmen nicht getrennt werden kann vom Inneren, von ihrer Befindlichkeit. Wenn es keine Netze gibt in der Nähe, dann versuche ich eine Frau zu unterstützen, dass sie so etwas gründet. Wir reden darüber, wie sie vorgehen kann, d.h. ich gehe damit ganz altmodisch in die Gemeinwesenarbeit hinein und meine nicht, dass diese Frau alle ihre Probleme im Individuellen hat.

Artikel als PDF herunter laden

(Erstveröffentlichung 1994, wieder veröffentlicht 2011)

« zurück zur Übersicht

© webdesign berlin by decobe