"Identität" - systemisch fassbar?

Thomas Altgeld, Iris Rommel und Erika Wübbena

Wie kommen nur drei halbwegs ausgebildete und professionelle Zauberlehrlinge des ISS (= Mitglieder mit Mitgliedsnummern höher als fünfzehn) dazu, sich in der Mitgliederzeitschrift des Instituts mit Sexualität, sogar mit Homosexualität auseinanderzusetzen? Hat die ansonsten längst abgeebbte Outingwelle nun etwa das Institut erreicht? Keine Angst, niemand wird sich outen, da unsere kleine AG nicht nach sexuellen Vorlieben zusammengesetzt ist. Dennoch gab es Anlässe, die uns zu einem ersten Arbeitstreffen inspiriert haben, dann zu weiteren und schließlich zur Namensgebung: Homopoiese-AG. Wie sehen diese Anlässe aus?

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(Erstveröffentlichung 1996, wieder veröffentlicht 2011)

 

Stephan Baerwolff

In Eurem Artikel (ISS’ES April 96) zeigt Ihr einige blinde Flecken des systemischen Ansatzes auf, indem Ihr den praktischen und theoretischen Umgang mit Homosexualität beleuchtet. Ihr spürt Vorannahmen auf oder, vornehm gesagt: Ihr dekonstruiert vermeintliche Selbstver-ständlichkeiten als (soziale) Konstruktionen und eröffnet so den Raum, über Alternativen nachzudenken. Insoweit erscheint mir Euer Vorgehen im besten Sinne systemisch, denn was wäre systemischer als die (gerade auch selbstkritische und selbstreflexive) Infragestellung von „Wahrheiten“? Doch wird eine solche „systemische Umarmung“ Eurer Kritik sicher nicht gerecht, denn wenn ich Euch recht verstanden habe, geht es Euch ja gerade darum, zu zeigen, dass Eure Fragen innerhalb des systemischen Diskurses keine befriedigenden Antworten finden. Weil ich Eure Gedanken so anregend und erfrischend finde, andererseits aber glaube, dass der systemische Ansatz (wie ich ihn verstehe) einen guten Rahmen auch für die von Euch aufgeworfenen Fragen bietet, hier ein paar Überlegungen dazu.

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 (Erstveröffentlichung 1997, wieder veröffentlicht 2011)

 

Thomas Altgeld, Iris Rommel und Erika Wübbena

Die von Stephan Baerwolff in der letzten ISS’ES-Ausgabe so formulierte Frage, ob "Homose-xualität systemisch nicht zu fassen ist", lässt sich möglicherweise nur über einen Umweg beantworten. Einen Umweg, der angesichts des Ziels, mehr über Identitäten oder Selbst-konstruktionen zu erfahren, vielleicht etwas seltsam erscheinen wird. Der Umweg führt nämlich zunächst weg von dem Individuum mitten hinein in die Gesellschaft bzw. das Soziale (schon hier setzt eine gewisse Unsicherheit ein, welche Begrifflichkeiten in diesem Kontext überhaupt diskursfähig sind ...).

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(Erstveröffentlichung 1997, wieder veröffentlicht 2011)

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