Die Arzt-Patient-Beziehung: Zur Erforschung von Entscheidungsprozessen

Wenn die Medizin weiß, was die Systemtheorie tut

Therapieentscheidungen als Ordnungsbildungsprozesse
von Friedemann Geiger

Soll eine Operation bei Prostatakrebs Potenz erhaltend durchgeführt werden, auch wenn dadurch das Rezidivrisiko steigt? Fragen dieser Art sind prädestiniert für eine gemeinsame Erörterung von Arzt und Patient, das sog. shared decision making (SDM). Denn einerseits müssen durch den Arzt die medizinischen Erkenntnisse über die Chancen und Risiken einer Potenz erhaltenden Operation bereitgestellt werden. Andererseits sind die individuellen Präferenzen des Patienten (und ggf. seiner Partnerin) entscheidend: Nur er selbst kann eine Vorstellung von der persönlichen Wertigkeit der Ziele Potenzerhaltung und Rückfallrisikominimierung entwickeln. In solchen Fällen müssen Arzt und Patient also gleichermaßen Informationen einbringen und verhandeln, denn beide sind Experten für Teilbereiche des Entscheidungsgegenstands. Charles bezeichnet dieses Charakteristikum der SDM-Kommunikation als „two way exchange of information“ (Charles et al., 1997). Ziel ist dabei im besten konstruktivistischen Sinne keine richtige, sondern eine passende Entscheidung, die von Patient zu Patient anders ausfallen kann. Gleiches gilt auch bei eher alltäglichen medizinischen Entscheidungen, etwa über eine Grippeimpfung.

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(Erstveröffentlichung 2006, wieder veröffentlicht 2011)

 

Ungewissheit: Die Kernbotschaft zwischen Arzt und Patient

Beforschen von Entscheidungsprozessen
von Jürgen Kasper

Wenn Arzt und Patient gemeinsam entscheiden.
Mit dem Erfolgszug der Evidenzbasierten Medizin als Orientierung im medizinischen Handeln und Entscheiden wächst auch das Bewusstsein dafür, dass es wenige oder keine Entscheidungssituationen gibt, in denen die Wissenschaft einem Patienten die Entscheidung für seinen konkreten Fall abnehmen kann (Elwyn 2003). In vielen Indikationsbereichen aber ist die Evidenz für die eine oder die andere Option so uneindeutig, dass die Beteiligung des Patienten am ganzen Prozess der Entscheidung unumgänglich scheint (z. B. im Bereich der Indikationsstellung zur Therapie des akuten Schubes einer Multiplen Sklerose; vgl. Flippini, 2003).

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(Erstveröffentlichung 2004, wieder veröffentlicht 2011)

 

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