Wissenschaftliche Kolloquien

Mit der Veranstaltungsreihe "Kolloquium" bietet das Institut einen Rahmen für die Aktualisierung und Verbreitung des systemischen Denkens aus den verschiedenen Wissenschaftsgebieten an. Hierzu kommen prominente WissenschaftlerInnen aus unterschiedlichen Disziplinen zu Wort. Die Kolloquien finden jeweils an einem Montagabend von 18:00 – 20:30 Uhr in den Räumen des Instituts statt. Die Teilnahme ist kostenlos und für alle Interessierten offen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Kolloqium K 2019-1
Titel: Surfen gegen die Traurigkeit? Internet-Interventionen zur Behandlung Psychischer Störungen.
Referent:

Privat-Dozent Dr. med. Jan Philipp Klein ist leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität zu Lübeck. Er ist unter anderem in der Forschung unterschiedlichster Aspekte depressiver Störungen tätig und hat eine Vielzahl von Publikationen hierzu verfasst. Neben der Psychotherapie chronischer Depression befasst er sich mit den Möglichkeiten der Nutzung des Internet in der Behandlung psychischer Störungen. Mit ihm als Referenten können wir einen Blick in die modernsten Strömungen werfen.

Zeit: Montag, den 18.02.2019 , (18:00 - 20:30 Uhr)
Inhalt:

Internet-Interventionen haben das Potential, die Behandlung psychischer Störungen deutlich zu verbessern. Dabei gibt es eine schier unüberschaubare Anzahl an Angeboten. Die häufigste Form von Internet-Interventionen ist das Selbstmanagement-Programm. In einem Selbstmanagement-Programm werden psychotherapeutische Fähigkeiten und Kenntnisse von einem Computerprogramm und nicht von einem Psychotherapeuten vermittelt. Die Wirksamkeit dieser Selbstmanagement-Programme wurde in zahlreichen Meta-Analysen nachgewiesen. Trotz der beeindruckenden Evidenzbasis für Selbstmanagement-Programme sind sie nur in sehr wenigen Ländern Teil der klinischen Routine. Ein Schritt zur Implementierung von Selbstmanagement-Interventionen ist die Entwicklung von Qualitätskriterien, die bei der Identifizierung sicherer und effektiver Interventionen helfen können. Am Ende des Vortrags kennt der Teilnehmer die Grundlagen und die Evidenzbasis von Internet-Interventionen und den aktuellen Stand der Qualitätskriterien in diesem Bereich.

Literatur:

Klein JP, Berger T, Voderholzer U (2017) Internetbasierte Interventionen bei psychischen Erkrankungen. In Voderholzer U, Hohagen F (eds.), Therapie psychischer Erkrankungen: State of the Art. Elsevier, München, pp. 581-589

Berger T, Klein JP, Moritz S (2017) Internetbasierte Interventionen. In Brakemeier EL, Jacobi F (eds.), Verhaltenstherapie in der Praxis. Beltz, Weinheim

Klein JP, Berger T (2013) Internetbasierte Psychologische Intervention bei Depression. Verhaltenstherapie 23: 149-159



Kolloqium K 2019-2
Titel: Die Replikationsfähigkeit empirischer Studien als zentrales Problem angewandter psychologischer Theorie.
Referent:

Frank Zenker ist am Seminar für Philosophie und Kognitionswissenschaft der Universität Lund, Schweden, tätig. Er arbeitet im Bereich Wissenschaftstheorie und Erkenntnistheorie u.a. zu wahrscheinlichkeits-theoretischen Modellen.

Zeit: Montag, den 06.05.2019 , (18:00 - 20:30 Uhr)
Inhalt:

Wer sich in der täglichen psychologischen Praxis auf theoretische Hypothesen beruft, die durch experimentell gewonnene Daten angeblich gestützt sind, der setzt implizit zwingend voraus, dass jene Daten sowohl statistisch nicht-zufällig wie auch unabhängig replizierbar sind. Allerdings zeigt die seit etwas mehr als 10 Jahre anhaltende Diskussion sowohl in den Sozialwissenschaften als auch anderenorts sehr deutlich, dass Replizierbarkeit empirischer Forschungsergebnisse viel zu oft nicht gewährleistet ist. Daraus entwickelt hat sich mittlerweile eine „Vertrauenskrise,“ weil eben unklar bleibt, wieviel man auf mit üblichen statistischen Methoden erzielten Ergebnissen wirklich setzen darf. Es bleibt damit wenig an empirisch gesichertem, theoretischen Wissen übrig, auf das die Praxis sich sinnvoll stützen könnte. Der Vortrag zeigt die formalen Hintergründe der Krise derart auf, dass ihre Ursachen auch ohne Hintergrundkenntnisse in Statistik deutlich werden. Ferner unterbreiten wir einen systematischen Vorschlag, wie die Krise zu überwinden sei.

Literatur: Witte, E.H., and Zenker, F. (2018). Data replication matters, replicated hypothesis-corroboration counts. (Commentary on “Making Replication Mainstream” by Rolf A. Zwaan, Alexander Etz, Richard E., Lucas, and M. Brent Donnellan). Behavioral and Brain Sciences (ISSN: 0140-525X, forthcoming). https://www.cambridge.org/core/journals/behavioral-and-brain-sciences

Krefeld-Schwalb, A; Witte, E.H., and Zenker, F. (2018). Hypothesis-testing demands trustworthy data—a simulation approach to statistical inference advocating the research program strategy. Frontiers in Psychology, 9, 460 (ISSN 1664-1078). https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyg.2018.00460/full

Witte, E.H., and Zenker, F. (2017b). From discovery to justification. Outline of an ideal research program in empirical psychology. Frontiers in Psychology, 8, 1847 (ISSN 1664-1078). https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyg.2017.01847/full



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