Wissenschaftliche Kolloquien

Mit der Veranstaltungsreihe "Kolloquium" bietet das Institut einen Rahmen für die Aktualisierung und Verbreitung des systemischen Denkens aus den verschiedenen Wissenschaftsgebieten an. Hierzu kommen prominente WissenschaftlerInnen aus unterschiedlichen Disziplinen zu Wort. Die Kolloquien finden jeweils an einem Montagabend von 18:00 – 20:30 Uhr in den Räumen des Instituts statt. Die Teilnahme ist kostenlos und für alle Interessierten offen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Kolloqium K 2020-1
Titel: „Die soziale Logik des Likes. Ein vages und globales Phänomen.“
Referent:

Johannes Paßmann war Stipendiat in Utrecht und Oslo und ist aktuell Research Associate für Digitale Medien und Methoden im Seminar für Medienwissenschaft an der Universität Siegen.

 

Zeit: Montag, den 30.03.2020 , (18:00 - 20:30 Uhr)
Inhalt:

In der Geschichte des Internets wurden unter vielen Versuchen nur wenige zum globalen Phänomen. Entscheidend waren: Likes, Retweets, Follower und Ähnliches, das man verschenken, empfangen, zählen und sammeln kann. Sie stehen nicht nur in einer längeren anthropologischen Tradition sozialer Medien, die man vergeben, sammeln und zählen kann, vielmehr sind diese vermeintlich groben Einheiten eine erstaunliche sozialpsychologische Komplexität zu entfalten in der Lage.
Wir gehen in diesem Kolloquium der Frage nach, ob es dabei so etwas wie „soziale Logiken“ gibt. Denn einerseits sind die Bedeutungen der Likes und ihrer Verwandten sehr vielfältig, extrem situationsabhängig, und sehr oft bleiben sie auch einfach vage, ohne dass jemand eine Bedeutung benennen könnte. Mitunter ist es gerade sogar ihre Unbestimmtheit, die sie sozial so produktiv macht. Andererseits tauchen einige Muster schon immer wieder auf, die politische Debatten prägen, bei manchen suchtartige Züge zeigen oder andererseits auch Stimmen Gehör verschaffen, die bisher öffentlich nicht vorkamen.
 
Literatur: Die Dissertation des Referenten (2016) erhielt  den Preis der Universität Siegen und schaffte es auf die Shortlist für den Opus-Primum-Preis der Volkswagenstiftung. Sie wurde unter dem Titel „Die soziale Logik des Likes“ 2018 bei Campus veröffentlicht.

Die Akkreditierung durch die Ärzte- bzw. Psychotherapeutenkammer Hamburg ist beantragt.

 



Kolloqium K 2020-2
Titel: „Was hat er/sie bloß?“- Über die Unschärfe Systemischer Diagnostik im Licht einer Allgemeinen Theorie der Sinnsysteme (ATS): Ein Exzellenzmerkmal?
Referent:

Der Referent ist Dr. med. Ulrich Hausa, Facharzt für Kinder - und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin, Systemischer Lehrtherapeut und Lehrsupervisor SG, Gründungsmitglied und Dozent am ISS.

Zeit: Montag, den 27.04.2020 , (18:00 - 20:30 Uhr)
Inhalt:

Es zeigt sich als verbreitetes Phänomen, dass Leute mit seelischem Leiden über körperliche Beschwerden klagen und das eine nicht mit dem anderen in Verbindung bringen, von sozialen Kontexten ganz zu schweigen. Dabei markieren in jeder Kultur normative Annahmen („Cultural Scripts“) bestimmte Symptome und Syndrome, welche sozial angeliefert erscheinen und in deren Folge Leid latent bleibt. Der Vortrag beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen der Dynamik biologischer und psychologischer Muster sowie Kommunikationsmustern gesellschaftlicher Systeme; Stichwort: „konditionierte Koproduktion“ unter besonderer Berücksichtigung der Superevidenz der Körper. Er fragt nach deren Bedeutung für die Systemische Therapie und Diagnostik als „Verwalter der vagen Dinge“ und versucht sich an der Aufklärung gewisser epistemologischer Blockaden. Die ATS, wie sie besonders Peter Fuchs entwickelt hat, setzt bekanntlich die Operation der Beobachtung primär, d.h. auch Körper werden beobachtet. Aber erscheint das biologische System dabei in gewisser Hinsicht nicht jeder Beobachtung zuvor? Zudem: Die Operation der Beobachtung vollzieht sich der ATS gemäß „sinnförmig“. Ein provokanter Ausdruck dafür wäre: „Dieser Körper ist sozial designierter Körper“; und statt der üblichen Setzung, es gäbe kein körperfreies Denken, hieße es jetzt: „Es gibt keinen denkfreien Körper!“ Was heißt das für eine systemtheoretisch orientierte Diagnostik: „Was hat er/sie bloß?“Mit Hilfe eines Fallbeispiels soll, diesseits inspirierender Irritation durch dieTheorie der ATS, der praxistaugliche Umgang mit dem Proprium „Unschärfe“ in systemischer Therapie und Diagnostik markiert werden.

Literatur: Peter Fuchs: Die Psyche; Studien zur Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt, Velbrück Wissenschaft, 2005; Fritz B. Simon: Formen: Zur Kopplung von Organismus, Psyche und sozialen Systemen, Carl - Auer, 2018.

Die Akkreditierung durch die Ärzte- bzw. Psychotherapeutenkammer Hamburg ist beantragt.

 



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