Wissenschaftliche Kolloquien

Mit der Veranstaltungsreihe "Kolloquium" bietet das Institut einen Rahmen für die Aktualisierung und Verbreitung des systemischen Denkens aus den verschiedenen Wissenschaftsgebieten an. Hierzu kommen prominente WissenschaftlerInnen aus unterschiedlichen Disziplinen zu Wort. Die Kolloquien finden jeweils an einem Montagabend von 18:00 – 20:30 Uhr in den Räumen des Instituts statt. Die Teilnahme ist kostenlos und für alle Interessierten offen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Kolloqium K 2017-2
Titel: Cyberpsychologie: Wie digit@le Wahrnehmungsfehler und virtuelle Fremdbestimmung uns selbst und unsere soziale Beziehungen beeinflussen.
Referent:

Dr. Catarina Katzer ist Volkswirtin, Soziologin und Sozialpsychologin und  gehört international zu den führenden Experten auf dem Gebiet „Cyberpsychologie: Handeln, Fühlen und Denken im digitalen Zeitalter“.  Zu ihrer Spezialdisziplin gehört auch der gesamte Bereich unseres negativen digitalen Sozialverhaltens. So hat sie erste Studien zu der  Thematik „Cyberbullying und sexuelle Viktimisierung in den interaktiven Medien“ im deutschsprachigen Raum durchgeführt und publiziert (2005). In ihrer Tätigkeit als Expertin für Kommissionen des Europarates, des Deutschen Bundestages  sowie Regierungsinstitutionen im In- und Ausland liegt der Fokus ihrer Arbeit auf der Entwicklung eines „digitalen Präventionsmanagements“- der kompetente Cybernaut ist das Stichwort (z.B. "I-KiZ Zentrum für Kinderschutz im Internet", (Berlin), Europarat Komitee „Culture, Science, Education & Media“). Auch ist sie auf EU-Ebene in den Management Committees der Netzwerke COST Action „Cyberbullying“ und „Cyberparks“.

Ihre neueste Publikation: „Cyberpsychologie. Leben im Netz.“ dtv, München 2016.

Aktuelle internationale Expertenstudie 2016: ARAG Digital Risks Survey. WAZ 01 06 2016 Cybermobbing droht zur Zeitbombe zu werden

Zeit: Montag, den 11.09.2017 , (18:00 - 20:30 Uhr)
Inhalt:

Die Referentin befasst sich in ihrer Forschung mit der Frage, inwiefern die digitale Revolution nicht nur unser äußeres Umfeld befasst. Wir müssen uns immer mehr damit auseinandersetzen, was Online mit unseren Gefühlen, unserem Denken und unserem Verhalten passiert, denn das Internet ist ein vollkommen neues Koordinatensystem für unser gesamtes Handeln geworden.  Dabei kann uns das Netz leicht auf falsche Fährten lenken. Digitale Wahrnehmungsfehler und virtuelle Fremdbestimmung beeinflussen auch unsere Selbstwahrnehmung und soziale Beziehungen - Online wie Offline. Insbesondere der sogenannte Werterwartungsnutzen scheint dabei eine wesentlich größere Rolle zu spielen als im nicht-virtuellen sozialen Austausch mit all seinen doppelten Kontingenzen. Es entstehen neue Sprachspiele und Rituale. Wie uns diese und viele weitere Phänomene in unserer beraterischen und therapeutischen Praxis begegnen, soll in der gemeinsamen Diskussion Platz finden.

Diese Veranstaltung wurde  von der Psychotherapeuten-/Ärztekammer Hamburg mit 3 Punkten akkreditiert.



Kolloqium K 2018-1
Titel: Ressourcenaktivierung in der Psychotherapie
Referent:

Prof. Dr. Ulrike Willutzki  ist an der Universität Witten/Herdecke als Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie in Lehre, Forschung und der dortigen Psychotherapie-Ambulanz tätig. Neben einer Ausbildung in kognitiver Verhaltenstherapie und eher tiefenpsychologisch orientiertem Psychodrama hat sie Anfang der 90er Jahre die Fortbildung in Systemischer Therapie am ISS gemacht.

Zeit: Montag, den 05.03.2018 , (18:00 - 20:30 Uhr)
Inhalt:

Psychische Belastungen gehen in der Regel mit ausgeprägten negativen Affekten einher, die es Betroffenen, ihren Angehörigen und oft auch TherapeutInnen erschweren, ihre trotzdem vorhandenen Möglichkeiten und Stärken wahrzunehmen und zu thematisieren. Gerade im systemischen Kontext  steht daher seit längerem die feinfühlige und geduldige Aktivierung und Förderung von Ressourcen im Fokus. Am ISS wurden diese Zugänge, nicht zuletzt über die Kooperation mit Steve de Shazer und Insoo Kim Berg, intensiv gepflegt. Auf Grundlage einer kurzen Begriffsklärung wird es im Beitrag um typische Schwierigkeiten bei der Aktivierung von Ressourcen gehen. Im Mittelpunkt werden weiterhin Projekte zur Diagnostik von Ressourcen und ihrer Aktivierung in Beratung und Psychotherapie stehen, an denen wir in den letzten ca. 15 Jahren gearbeitet haben. Neben systemischen und kognitiv-behavioralen Modellen wird dabei auch auf Interventionen aus der sogenannten positiven Psychologie eingegangen.

Literatur: Ulrike Willutzki und Tobias Teismann: Ressourcenaktivierung in der Psychotherapie. Hogrefe Verlag 2013.

Die Akkreditierung wird beantragt.



Kolloqium K 2018-2
Titel: Wirklichkeitskonstruktionen und Bezogenheit. – Der Geschmack von Blau.
Referent:

Susanne Krahe ist eine späterblindete Schriftstellerin. Sie ist Theologin und Autorin von Buch-, Zeitschriften- und Hörfunkbeiträgen. Sie lebt in Unna in Westfalen.

Zeit: Montag, den 16.04.2018 , (18:00 - 20:30 Uhr)
Inhalt:

Die Referentin kann uns  in Wirklichkeitskonstruktionen mitnehmen, die anders ausfallen, wenn die Rahmenbedingungen tatsächlich und auf eine nicht nur gedachte, konstruierte Weise anders sind, nämlich nicht-sehend gegenüber sehend. Nicht nur metaphorisch gemeint, ist die Autorin als Späterblindete selbstverständlich auch eine Sehende. In dieser Hinsicht kommt ihre stark entwickelte Sensibilität und Erfahrung mit und für Bezogenheit zum Ausdruck, Bezogenheit im systemischen Sinne sozialer, sprachlicher Interaktionen in besonderem Maße.

Wir können an diesem Abend ein starkes Beispiel für die Entwicklung einer bezogenen Autonomie mitverfolgen und mit der Referentin einige kleine Ausflüge in die theologische Anthropologie machen.

Buchveröffentlichung: Susanne Krahe: Der Geschmack von Blau. Neukirchener Verlagsgesellschaft 2015.

Die Akkreditierung wird beantragt.



Kolloqium K 2018-3
Titel: Was geschah im 20. Jahrhundert ? Beobachtungen aus der Raumstation ISS.
Referent:

Prof. em. Dr. Peter Sloterdijk ist Professor für Ästhetik und Philosophie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, war auch deren Rektor, und ist mit einer Vielzahl an Publikationen einer der bekanntesten zeitkritischen Denker. Er studierte in München und Hamburg Philosophie, Geschichte und Germanistik und befasste sich in seiner Abschlussarbeit mit Michel Foucault.  Für viele ist seine „Kritik der zynischen Vernunft“ von 1983, eines der meistverkauften philosophischen Bücher, fest mit seinem Namen verbunden. In „Der Zauberbaum“ erzählt er romanhaft die Entstehung der Psychoanalyse aus ihren frühen Wurzeln. In den neueren Büchern geht es um die verschiedensten Aspekte der Globalisierung.

Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben. Der 30.4.2018 ist ein vorläufiger Arbeitstermin.

Zeit: Montag, den 30.04.2018 , (18:00 - 20:30 Uhr). Dies ist ein vorläufiger Termin. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.
Inhalt:

Eine der jüngsten Buchveröffentlichungen mit dem Titel „Was geschah im 20. Jahrhundert?“ (2016 erschienen bei Suhrkamp Verlag Berlin) war der Anlass, den prominenten Autor an unser Institut einzuladen. In den Aufsätzen dieses Buches kreist er unter anderem um die Frage des Beobachtungsstandpunktes (zum Beispiel fiktiv der einer Raumstation mit Blick auf die Erde), der Integration der Außenwelt in die Innenwelt und eines gedachten „Verzichtes auf die Illusion des anderen Ufers“. Dies sind durchweg Themen, die uns als Institut für systemische Studien in Theorie und Praxis zentral beschäftigen.

Da Peter Sloterdijk nicht nur ein beweglicher Geist ist, sondern sich auch in seinem Terminkalender etwas Flexibilität bewahrt, wird der endgültige Termin des Kolloquiums erst später festgelegt. Wir bitten also,  immer mal wieder nachzuschauen.

Die Akkreditierung wird beantragt.



Kolloqium K 2018-4
Titel: Familiensysteme nach dem Bürgerkrieg. Eine Feldstudie in Uganda.
Referent:

Dipl.-Psych. Laura Saupe ist Doktorandin bei Prof. Frank Neuner an der Universität Bielefeld zum Thema der Folgen von Krieg und Vertreibung  auf Familienstrukturen, ferner wissenschaftliche Mitarbeiterin in zwei Projekten zur Online-Fortbildung in Traumatherapie. Sie studierte Psychologie an den Universitäten in Marburg, Turin, Phnom Penh und Oxford.

Zeit: Montag, den 29.10.2018 , (18:00 - 20:30 Uhr)
Inhalt:

Durch das Erleben von massiver Gewalt, Entführungen und Vertreibung während des fast 30-jährigen Konfliktes in Norduganda wurden  gewachsene und tradierte Gemeinschaften sowie Familienstrukturen massiv gestört. Schon 2010 konnten in einer Querschnittsstudie bei Schulkindern schwere Auswirkungen in diesen Post-Konflikt-Gesellschaften festgestellt werden.  In einer sechsjährigen (2010-2016) multigenerationalen Langzeitstudie wurden diese Kinder sowie ihre  primären Fürsorger im ländlichen Norduganda wissenschaftlich und therapeutisch begleitet. Es zeigen sich alarmierend hohe Raten an familiärer und partnerschaftlicher Gewalt, erhöhtem Substanzkonsum der Fürsorger sowie psychopathologische Auffälligkeiten aller Familienmitglieder. 2016 wurden die nun jugendlichen TeilnehmerInnen der Studie erneut mit einem Fokus auf familiäre Bindung, Psychopathologie, eigenes Risikoverhalten, wahrgenommene Unterstützung durch und Zugehörigkeit zur Dorfgemeinschaft sowie eigene Zukunftserwartungen untersucht.  Ziel des Vortrags ist es, erste Ergebnisse der Langzeitstudie sowie ein auf der Studie basierendes Emotionsregulations- und Erziehungstraining für die betroffenen Gemeinschaften   vorzustellen und zu diskutieren.

Die Akkreditierung wird beantragt.



© webdesign berlin by decobe