Wissenschaftliche Kolloquien

Mit der Veranstaltungsreihe "Kolloquium" bietet das Institut einen Rahmen für die Aktualisierung und Verbreitung des systemischen Denkens aus den verschiedenen Wissenschaftsgebieten an. Hierzu kommen prominente WissenschaftlerInnen aus unterschiedlichen Disziplinen zu Wort. Die Kolloquien finden jeweils an einem Montagabend von 18:00 – 20:30 Uhr in den Räumen des Instituts statt. Die Teilnahme ist kostenlos und für alle Interessierten offen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Kolloqium K 2017-1
Titel: Holocaust und Vernichtungskrieg. Zwei Genozide und der Umgang mit der deutschen Schuld.
Referent:

Hannes Heer, Jg. 1941, wurde nach dem Studium der Geschichte und Germanistik 1968  als prominenter 68er-Aktivist nicht zum Schuldienst zugelassen und hat in der Folge als Radioredakteur, Theaterdramaturg, Filmregisseur, Leiter der Wehrmachtsausstellung,  Buchautor und zuletzt als Kurator der Ausstellung „Verstummte Stimmen“ gearbeitet, in der die Geschichte der Vertreibung meist jüdischer Künstler 1933 aus den deutschen Opernhäusern und Theatern erzählt wird. Die Fallstudie zu den Bayreuther Festspielen steht als Dauer-Installation seit 2015 auf dem Festspielhügel in Bayreuth.

Zeit: Montag, den 27.03.2017 , (18:00 - 20:30 Uhr)
Inhalt:

Ausgangspunkt sind die 40 Millionen unschuldigen Opfer – Juden, Slawen, Sinti und Roma –, die Nazideutschland 1945 hinterlassen hat. Wie die alliierten Sieger sprachen damals auch Solitäre wie Thomas Mann, Karl Jaspers, Hannah Arendt und Alexander Mitscherlich von einer „kollektiven“ Schuld und Mitschuld des deutschen Volkes. Aber die Mehrheit der West-Deutschen und deren Nachkriegsregierungen hatten sich für das Verleugnen oder Verschweigen der Verbrechen und für die Ausrede „Hitler war’s“ entschieden. Gegen diese  Staatsdoktrin gewordene „Derealisierung“ hat sich ab Mitte der 1950er Jahre ein Prozess der Selbst-Aufklärung und Selbst-Aneignung der deutschen Schuld entwickelt – von unten und in Form von permanenten „Geschichtsskandalen“, z.B in Filmen und in der Wehrmachtsausstellung. In diesen Tabubrüchen erscheint die Nazizeit entgegen den offiziellen und privaten Legenden auch immer als „Familiengeschichte“. Das wird an literarischen Fallbeispielen, an der Praxis der transgenerationalen „Gefühls-Erbschaften“ und an einem Modell von Erinnern und Vergessen demonstriert, das von Friedrich Nietzsche ausgeht und mit einem kritischen Blick auf Aleida Assmann endet.

Diese Veranstaltung wurde  von der Psychotherapeuten-/Ärztekammer Hamburg mit 3 Punkten akkreditiert.



Kolloqium K 2017-2
Titel: Cyberpsychologie: Wie digit@le Wahrnehmungsfehler und virtuelle Fremdbestimmung uns selbst und unsere soziale Beziehungen beeinflussen.
Referent:

Dr. Catarina Katzer ist Volkswirtin, Soziologin und Sozialpsychologin und  gehört international zu den führenden Experten auf dem Gebiet „Cyberpsychologie: Handeln, Fühlen und Denken im digitalen Zeitalter“.  Zu ihrer Spezialdisziplin gehört auch der gesamte Bereich unseres negativen digitalen Sozialverhaltens. So hat sie erste Studien zu der  Thematik „Cyberbullying und sexuelle Viktimisierung in den interaktiven Medien“ im deutschsprachigen Raum durchgeführt und publiziert (2005). In ihrer Tätigkeit als Expertin für Kommissionen des Europarates, des Deutschen Bundestages  sowie Regierungsinstitutionen im In- und Ausland liegt der Fokus ihrer Arbeit auf der Entwicklung eines „digitalen Präventionsmanagements“- der kompetente Cybernaut ist das Stichwort (z.B. "I-KiZ Zentrum für Kinderschutz im Internet", (Berlin), Europarat Komitee „Culture, Science, Education & Media“). Auch ist sie auf EU-Ebene in den Management Committees der Netzwerke COST Action „Cyberbullying“ und „Cyberparks“.

Ihre neueste Publikation: „Cyberpsychologie. Leben im Netz.“ dtv, München 2016.

Aktuelle internationale Expertenstudie 2016: ARAG Digital Risks Survey. WAZ 01 06 2016 Cybermobbing droht zur Zeitbombe zu werden

Zeit: Montag, den 11.09.2017 , (18:00 - 20:30 Uhr)
Inhalt:

Die Referentin befasst sich in ihrer Forschung mit der Frage, inwiefern die digitale Revolution nicht nur unser äußeres Umfeld befasst. Wir müssen uns immer mehr damit auseinandersetzen, was Online mit unseren Gefühlen, unserem Denken und unserem Verhalten passiert, denn das Internet ist ein vollkommen neues Koordinatensystem für unser gesamtes Handeln geworden.  Dabei kann uns das Netz leicht auf falsche Fährten lenken. Digitale Wahrnehmungsfehler und virtuelle Fremdbestimmung beeinflussen auch unsere Selbstwahrnehmung und soziale Beziehungen - Online wie Offline. Insbesondere der sogenannte Werterwartungsnutzen scheint dabei eine wesentlich größere Rolle zu spielen als im nicht-virtuellen sozialen Austausch mit all seinen doppelten Kontingenzen. Es entstehen neue Sprachspiele und Rituale. Wie uns diese und viele weitere Phänomene in unserer beraterischen und therapeutischen Praxis begegnen, soll in der gemeinsamen Diskussion Platz finden.

Diese Veranstaltung wurde  von der Psychotherapeuten-/Ärztekammer Hamburg mit 3 Punkten akkreditiert.



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